MINT Fächer – In welche Richtung soll der Zug fahren?

Die in der Regel hektische Anfangsphase des neuen Schuljahres ist – mehr schlecht als recht – überstanden. Die Stundenpläne sinnvoll und im Durchschnitt akzeptabel auszurichten, ist – im Anbetracht der vielfältigen und divergierenden Interessen an einer Schule – gewiss keine leichte Aufgabe. Die Schülerinnen und Schüler müssen nun mit ihren neuen Stundenplänen leben.

Insbesondere diejenigen, die der Oberstufe (E-Q2) angehören, haben oft ihre liebe Not, die erforderlichen Kurse in den von ihnen gewählten Schwerpunktfächern in den obligatorischen Rahmen eingefügt zu bekommen. Die Frage allerdings sollte gestattet sein, ob es unvermeidbar und zielführend ist, wenn dabei für einzelne Schüler Wochenarbeitspläne mit zum Teil 9 bis 11 Schulstunden pro Tag herauskommen?

Neben den offensichtlich unangenehmen Konsequenzen für alle Betroffenen ergeben sich auch Koordinations- und Organisationsprobleme für diejenigen, die Nachhilfeunterricht in Anspruch nehmen. Bei Terminvereinbarungen hierfür ist der Spielraum dann oft recht eng…

Aber nun zum eigentlichen Thema des Beitrages:

Als ABACUS-Nachhilfelehrer für MINT-Fächer fühle ich für mich selbst und die mir Anvertrauten die Verpflichtung, am Anfang eines neuen Lehr- und Lernabschnittes Ziele und Schwerpunkte für die kommende Arbeitsperiode zu definieren. Während ich noch darüber nachdenke, wohin der Zug in 2013/2014 in dieser Hinsicht rollen sollte, ergeht erneut ein „Hilferuf“, der die MINT-Welt betrifft, an die Öffentlichkeit. Die Welt am Sonntag vom 18. August 2013 gibt unter dem Titel „Frauen und Technik“ das „schockierende“ Ergebnis einer Umfrage unter mehr als 10.000 Schülerinnen und Schülern wie folgt bekannt (Zitat):

Nie wollten weniger Schüler ein Ingenieursstudium aufnehmen als im Jahr 2013. Bei den Jungen liebäugeln immerhin noch rund 16% mit diesem Fach. Bei den Mädchen dagegen sind es nur 2,5%.

Der Artikel enthält im weiteren Verlauf dann die folgenden Appelle (Zitate):

  • Aus dem Arbeitsministerium: „Wartet nicht erst ab, wie die Studienwahl ausfällt. Geht aktiv und ganz früh in die Schulen, wo die Mädchen sind.“
  • Aus dem Wissenschaftszentrum, Berlin: „Technische Bereiche müssen systematisch in den Schulalltag einbezogen werden.
  • Aus dem Kanzleramt: „Wir müssen alle Erzieherinnen in den Kitas …für technische Experimente mit den Kindern begeistern und vorbereiten.

Berufsziele, die dem Artikel zufolge von den Befragten als erstrebenswert angegeben werden, sind die allgemein bekannten. Dabei werden erstaunlicherweise oft Berufe bevorzugt, in denen bekanntermaßen ein großer Andrang von Bewerbern zu verzeichnen ist und darüber hinaus die Möglichkeiten zur persönlichen und wirtschaftlich attraktiven Entwicklung beschränkt sind. Wenn dieses Ergebnis für den ABACUS-Nachhilfelehrer auch im Grundsatz nicht überraschend ist (siehe frühere Artikel zu diesem Thema hier im Nachhilfe-Blog), so macht doch betroffen, dass sich die Situation eher verschlechtert als – wie erhofft – verbessert hat. Die Marschrichtung für das vor uns liegende Schuljahr ist damit klar: Die alten Ziele sind grundsätzlich auch die neuen, die es mit Nachdruck zu verfolgen gilt.
Die Mehrzahl der Nachhilfeschüler des Autors sind nunmehr „Oberstufler“ (E-Q2), sind also dem Zeitpunkt der Berufs- und Studienwahl sehr nah. Die Kenntnisse, die sich diese Schülerinnen und Schüler in dem Zeitraum: Eintritt in die Oberstufe bis zum Abiturium in Mathematik – wie natürlich auch in den anderen naturwissenschaftlichen Fächer – erarbeiten, sind ausnahmslos Basisthemen für MINT-orientierte Berufsziele, in die der Einstieg in der Regel durch ein Studium oder durch einen anderen anspruchsvollen Ausbildungsgang genommen wird. So sind fundierte Kenntnisse auf dem Gebiet der Analytischen Geometrie – mit dem Kernthema der Vektorrechnung – für den Bauingenieur ebenso unverzichtbar wie für den Elektrotechniker oder den Maschinenbauer. Ohne die sichere Handhabung der Methoden und Regeln der beiden Schwerpunktthemen der Analysis – Differential- und Integralrechnung – sind die meisten technischen und auch wesentliche wirtschaftliche Aufgabenstellungen nicht zu bewältigen. Die Analysis ist schlechthin das Fundament des Denkens in Systemen. Die häufig von den Schülerinnen und Schülern „unter der Last des Lernens“ gestellt. Die Frage: „Wozu ist das gut, weshalb soll ich das lernen?“ erübrigt sich angesichts dieser Tatsachen.

Die Aufgabe des ABACUS-Nachhilfelehrers für die Naturwissenschaften muss also vorrangig sein, den ihm anvertrauten Nachhilfeschülern jede erdenkliche Hilfestellung zu leisten, um diese Kenntnisse zu erwerben. Denn letztendlich sollen Kompetenzen erworben werden, die sicher beherrschtes Basiswissen voraussetzen.
Denn nur so eröffnet sich für die hier betroffenen „Oberstufler“ die Option, dem Eingangs erwähnten Hilferuf der Studie Folge zu leisten. Dass dieses Ziel sowohl aus der Sicht der gesellschaftlichen Erfordernisse als auch im Hinblick auf die Zufriedenheit des Einzelnen im Sinne von Persönlichkeitsentfaltung und wirtschaftlicher Abgesichertheit lohnend ist, dürfte unstrittig sein (siehe hierzu auch frühere Beiträge des Autors).

Veröffentlicht von

Hensel

Prof. Dr. Wilfried Hensel, TU Berlin. 30 Jahre naturwissenschaftliche Lehrerfahrung